Nehmen Sie meine Daten, bitte! (Teil 1)

Würden Sie einem Fremden auf der Strasse Ihren Wohnort nennen? Nein? Warum machen Sie es dann so bereitwillig in sozialen Netzwerken? Wir nennen fünf Gründe aus Sicht der Verhaltensforschung, warum Menschen im Internet bereitwilliger Ihre Daten herausgeben.

18. November 2015 - 11:18vonAlain Samson0Kommentare

Die Zuversicht der Europäer, dass Organisationen sicher mit ihren persönlichen Daten umgehen und damit ihre Privatsphäre schützen, befindet sich auf einem Allzeittief. In der Zeit nach Edward Snowden wird das besonders in Bezug auf die Regierung deutlich. Aber es trifft auch auf eine Vielzahl von Unternehmen zu. In einer aktuellen Umfrage sagten 69% Erwachsene, dass sie nicht daran glauben, dass ihre privaten Daten auf Social Media Seiten privat und sicher bleiben. Jeder hatte schon einmal Bedenken über private Information im Internet. Aber wenn es um tatsächliches Verhalten geht, teilen viele freiwillig ihre persönlichen Informationen. Der Fachbegriff dafür lautet „Privacy Paradox“.

Wieso  sind  Einstellung und Verhalten hier so unterschiedlich? Der sehr bekannte Online-Privatsphäre Forscher Alessandro Acquisti und seine Kollegen bieten eine Reihe an möglichen Erklärungen dafür. Zunächst mag es da überhaupt kein Paradoxon geben. Nach dieser Auffassung sind wir uns alle einig, dass uns Privatsphäre im Grunde wichtig ist, wenn es aber um bestimmte Situationen geht, dann entscheiden wir uns oft dafür, dass die Vorteile die man durch die Offenlegung der Informationen erhält, die Nachteile überwiegen. Eine zweite Erklärung besagt, dass uns unsere Privatsphäre wichtig ist, wir aber gleichzeitig verunsichert sind bezüglich dem Teilen von persönlichen Informationen. Unsere eigenen Präferenzen und unser Verhalten werden durch situative Faktoren beeinflusst – oft unbewusst.

Wir liefern fünf Gründe* aus Sichtweise der Verhaltensforschung, weshalb wir oft gegen unser eigenes Interesse handeln, indem wir im Internet unsere Privatsphäre auf Spiel setzen:

Wir bekommen ein Sicherheitsgefühl vermittelt

Menschen teilen mehr persönliche Informationen online, wenn sie denjenigen Vertrauen mit denen Sie ihre Informationen teilen oder wenn sie glauben die Kontrolle darüber zu haben. Leider kann dieses Sicherheitsgefühl entweder falsch sein oder ungewollte Folgen haben. Eine Studie fand heraus, dass Leute bis zu 20% mehr von ihren privaten Daten preisgaben, wenn ihnen ein größeres Gefühl der Kontrolle über die Verwendung der Daten vermittelt wird. Natürlich ist das nicht das Ziel dahinter. In einer anderen Umfrage antworteten 62%, dass sie fälschlicherweise glaubten, dass allein das Vorhandensein einer Datenschutzerklärung bedeutet, dass die Webseite die persönlichen Informationen nicht ohne die Erlaubnis des Benutzers verwenden könne. Das heißt, dass eine Webseite dem Benutzer ein Sicherheitsgefühl vermitteln kann, indem sie einfach auf die Datenschutzerklärung hinweist. Das Sicherheitsgefühl basiert also auch auf Unwissenheit.

Wir lassen uns von Signalen beeinflussen

Das Internet ist voll von visuellen und verbalen Signalen, die unser Denken und Verhalten beeinflussen, einschließlich der Hinweise auf eine Datenschutzerklärung, wie oben bereits genannt. Siegel wie TRUSTe und BBBOnline dienen explizit dafür um Vertrauen zu steigern. Auch das allgemeine Design einer Webseite beeinflusst das Verhalten. Obwohl man erwarten würde, dass eine professionell aussehende Seite die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Besucher ihre Daten teilen, ist jedoch oft das Gegenteil der Fall. Ein Experiment fand heraus, dass Leute eher ihre persönlichen Daten auf unprofessionell aussehenden Seiten teilten. Warum? Obwohl wir von einer professionell aussehenden Seite eine größere Datensicherheit erwarten würden, fühlen sich Leute einfach sicherer dabei, ihre Daten in einer zwangloseren Umgebung zu teilen.

 

Drei weitere Gründe folgen in Teil 2!

Alain Samson

Senior Advisor Kunden- & Marktforschung

Alain Samson ist Psychologe mit zehn Jahren Erfahrung als Berater in Verhaltens- und Konsumentenforschung. Als wissenschaftlicher Berater hat Alain Unternehmen dabei unterstützt ihre bestehenden Marktpotentiale zu optimieren . In Projekten arbeitete er für zahlreiche Blue Chip Unternehmen. Alain studierte an der UC Berkeley & Universität Michigan. Er promovierte in Sozialpsychologie an der London School of Economics. Alain schreibt regelmässig für "Psychology Today". Berufliche Tätigkeitsfelder: Fast Moving Consumer Goods, Media, Higher Education, Government, Finance, Energy and Marketing.

        

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