Diagnose: Expertitis

Wer hat noch nicht? Wer will nochmal? Ob Finanz-, Wirtschafts- oder Sportexperte; selten wurde ein Begriff wie der des „Experten“ in den letzten Jahren so inflationär verwendet. Aber wo Experte draufsteht ist nicht immer Experte drin.

23. Oktober 2015 - 10:30vonPatrick Samson0Kommentare

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In der Kognitionswissenschaft und Psychologie hat man ein genaueres Verständnis darüber, was einen Experten und dessen Wissen ausmacht. "Expertenwissen bezeichnet eine aussergewöhnliche Problemlösefähigkeit oder Performance in einem bestimmten Bereich, die auf umfassender Erfahrung basiert". Der Begriff "umfassend" wird dabei mit mindestens 10 Jahre Erfahrung quantifiziert. Welche Eigenschaften zeichnen denn nun Experten in ihrem jeweiligen Fachgebiet aus?

Experten…

  • Erkennen grosse Bedeutungszusammenhänge
  • Arbeiten schneller und machen weniger Fehler
  • Haben ein besseres Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis
  • Achten mehr auf Strukturen als auf oberflächliche Eigenschaften
  • Verwenden viel Zeit auf qualitative Analysen
  • Beurteilen ihre eigenen Fähigkeiten und Leistungen richtig

...und wer noch mehr will, hier ein Modell zur Bestimmung von Expertise. Das Fünf-Kompetenzstufen-Modell von Dreyfus.

  1. Neuling
  2. Fortgeschrittener Anfänger
  3. Kompetenter
  4. Gewandter
  5. Experte

Seien Sie deshalb also durchaus auch mal kritisch, wenn sich das nächste Mal ein selbsternannter Experte bei Ihnen vorstellt. Denn wo Experte drauf steht, muss auch Experte drin sein!

 

 

Quellen
M.T.H. Chi, R. Glaser & M.J. Farr (Hrsg.): The nature of expertise. Lawrence Erlbaum Associates, Hillsdale, NJ 1988
Dreyfus, Stuart E.; Dreyfus, Hubert L., ."A Five-Stage Model of the Mental Activities Involved in Directed Skill Acquisition", February 1980

Patrick Samson

Gründer & Geschäftsführer

Patrick Samson begleitet seit mehr als 10 Jahren unternehmerische Veränderungsprozesse. Nach seinem sozialwissenschaftlichen Studium hat er sich in diversen Gebieten der Wirtschaftswissenschaften, Betriebswirtschaft und im Social Media Management weitergebildet. Mit seinem 360 Grad-Blickwinkel verbindet er optimal theoretische Ansätze mit den Anforderungen aus der Praxis; Lösungen, Resultate, Ergebnisse. Berufliche Tätigkeitsfelder: Versicherung, Gesundheitswesen, Öffentliche Verwaltung, Werbung, Kommunikation und Logistik.

            

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