Da fehlt ein Komma, Oberschwester!

Kann man einen Hund waschen, ohne ihn nass zu machen? - Nein! Kann man digitale Transformationsprozesse in Unternehmungen durchführen, ohne die Unternehmenskultur zu tangieren? - Nein! Jede analoge - digitale Transformation verändert zwangsläufig auch die Unternehmenskultur. Dieser Umstand wird noch zu wenig berücksichtigt.

14. August 2015 - 22:00vonPatrick Samson1Kommentare

Digitale Transformation und Unternehmenskultur

Kann man einen Hund waschen, ohne ihn nass zu machen? - Nein! Kann man digitale Transformationsprozesse in Unternehmungen durchführen, ohne die Unternehmenskultur zu tangieren? - Nein! Jede analoge - digitale Transformation verändert zwangsläufig auch die Unternehmenskultur. Dieser Umstand wird noch zu wenig berücksichtigt. Kein Wunder, denn der Begriff Unternehmenskultur wird inflationär und unpräzise verwendet. Dabei kann man diesen objektivieren, definieren und messen. Es gibt keine gute oder schlechte Unternehmenskultur, sondern abhängig von den Unternehmenszielen erfolgsversprechende und weniger erfolgsversprechende. Die Kultur zu definieren hat immer Aufgabe des Top-Managements zu sein.

Als Projektleiter in einem Spital sollte ich alle Patientendaten, die bisher auf Papier erfasst wurden, digital erfassen. Vor der Digitalisierung wurden die Dossiers in einem speziellen Büro beziehungsweise in einem Aktenschrank aufbewahrt. Dort trafen sich die Mitarbeiter, es gab einen persönlichen Austausch über relevante Informationen. Mit der Einführung des elektronischen Dossiers fiel diese Art der analogen Begegnung weg. Die Kommunikationswege und -kultur veränderten sich durch die Digitalisierung. Dabei kam es zwischen dem Pflegepersonal und den Ärzten zu einem Kampf um die Zugriffsrechte auf die elektronischen Dossiers. Wer darf was von wem wann und wo einsehen? Wer darf Eingaben ändern und/oder ergänzen? Nun wurde sogar in den elektronischen Dossier gesurft. Dadurch bildete sich eine neue digitale Transparenz, welche in eine neue Art von Kontroll-Kultur mündete. So wies beispielsweise ein Arzt die Oberschwester darauf hin, dass sie beim Pflegebericht ein Wort falsch gewählt hatte oder ein Komma fehlte.

Im Vorfeld hatten wir solchen möglichen Veränderungen der Kommunikationskultur zu wenig Beachtung geschenkt. Es ging hauptsächlich um die Software und IT-Fragen. Um die Probleme zu beseitigen, musste die Software korrigiert werden, gab es nachträgliche Arbeitsgruppen sowie Krisengespräche zwischen Pflegepersonal und Ärzten. Meine Erfahrung zeigt, dass man im Vorfeld die Involvierten informieren sollte, wie sich solche eine Veränderung auf die Strukturen, die Unternehmenskultur und die Prozessabläufe auswirken kann. Es ist sinnvoll, die verschiedenen Szenarien aufzuzeigen und durchzuspielen, damit die Mitarbeitenden und das Management wissen, welche Auswirkungen die Veränderung haben kann. Die Szenarien können dann nach wünschbar, machbar und umsetzbar gewichtet werden. Dadurch werden wichtige Ressourcen effizient und kostenwirksam eingesetzt.

Patrick Samson

Gründer & Geschäftsführer

Patrick Samson begleitet seit mehr als 10 Jahren unternehmerische Veränderungsprozesse. Nach seinem sozialwissenschaftlichen Studium hat er sich in diversen Gebieten der Wirtschaftswissenschaften, Betriebswirtschaft und im Social Media Management weitergebildet. Mit seinem 360 Grad-Blickwinkel verbindet er optimal theoretische Ansätze mit den Anforderungen aus der Praxis; Lösungen, Resultate, Ergebnisse. Berufliche Tätigkeitsfelder: Versicherung, Gesundheitswesen, Öffentliche Verwaltung, Werbung, Kommunikation und Logistik.

            

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